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Neotenie:

 

Der Begriff der Neotenie wurde von Kollmann (1885) im Zusammenhang mit einer von ihm untersuchten Entwicklungsverzögerung an Kaulquappen geprägt. Es wurde seinerzeit bereits zwischen einer vollständigen und einer unvollständigen Form der neotenen Entwicklung unterschieden. Ausschlaggebend für diese Einstufung ist das Erreichen der Geschlechtsreife in larvaler Gestalt. Die heute gültige Definition des Begriffes Neotenie im Bereich der Wirbeltiere sieht Tiere dann als neoten an, wenn sie noch im larvalen Stadium in der Lage sind , sich zu reproduzieren. Diese Form der Neotenie wurde 1933 ausschließlich Ambystoma mexicanum (also dem Axolotl) zugeschrieben. Verursacht wird Neotenie durch eine Unterfunktion der Schilddrüse, d.h. sie produziert nicht genügend Hormone, bzw. das normal hervorgebrachte Hormon wird nicht in die Blutbahn abgeleitet (vgl. Wistuba 2000). Axolotl haben die Sensitivität für diese Schilddrüsenhormone nicht grundsätzlich verloren, kommen aber in ihrer normalen Umgebung zeitlebens nicht zur Metamorphose.

 

Landgänger, das Woher, das Wohin und das Warum.

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Vor 10.000 Jahren ging die letzte, sogenannte Tioga-Eiszeit zu Ende und die Mittelamerikanische Landbrücke, Mexiko und der Südwesten der USA begannen auszutrocknen. Bald herrschte außerhalb der Seen und Wasserstellen ein trockenes, wüstenartiges, heißes Klima, dass Landgängern ein Überleben praktisch unmöglich machte. Hier kam die Stunde der neotenen, also rein aquatischen Amphibien.
Neotenie kommt zwar bei sehr vielen Amphibien vor, selbst bei den Kaulquappen der Frösche, aber nur bei Ambystoma hat es artbildende Funktion.

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Diese Hypothese lässt sich sehr gut belegen:
Im niederschlagsreichen Osten der USA bestehen die Tigersalamanderpopulationen fast nur aus Landgängern. Je weiter man westlich und südlich geht, um so mehr tauchen neotene, Axolotl
-artig aussehende Tiere auf, und viele Populationen im wüstenartigen Arizona und Texas bestehen dann nur noch aus aquatischen Tieren mit Kiemen.

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Das Extrem sind dann die Axolotl selbst. Da das Land einfach zu trocken für Landgänger war, konnten nur die Wasserformen überleben, und da ohne Landgänger auch kein genetischer Austausch mit anderen Populationen möglich war, bildeten sie im Lauf der Jahrtausende eine eigene Art.

Normalerweise verlassen Amphibien bzw. Molche und Salamander recht schnell nach der Metamorphose das Wasser und das aus gutem Grund. Während die erwachsenen Tiere durch ihre Hautgifte und vor allem ihre versteckte (bei Tigersalamandern eingegrabene), oft nächtliche Lebensweise recht gut geschützt sind, sind die wasserlebenden Quappen und neotene Tiere Fressfeinden ausgesetzt. Fische, Wasservögel, Reptilien wie Schildkröten und Schlangen, allerlei Säugetiere, vom Waschbär bis zum Grizzly, haben aquatische Amphibien "zum Fressen" gern. Dort, wo das Land feucht genug ist, ziehen sich die Salamander deshalb schnell in die wesentlich sicherere Landnische zurück.


Völlig "gestrichen" wurden die Landgänger aber auch nie aus der genetischen Ausstattung der Axolotl und anderer Ambystoma-Arten, z.B. den A. andersoni
. Vollaquatische Salamander, wie Aalmolche, Furchenmolche und Riesensalamander sowie Hellbender, bewohnen Flusssysteme, die ihnen eine ungehinderte Ausbreitung und genetischen Austausch ermöglichen. Wenn man nicht an Land gehen kann, sind Seen jedoch eine gefährliche Sackgasse, auch sie können irgendwann austrocknen oder verlanden.
Landgänger sind die Ausbreitungsform. Sie besiedeln neue Gebiete und neue Seen, Tümpel oder Teiche. Der Xochimilcosee und ähnliche Habitate sind ein Rückzugsgebiet, und das „genetische Gedächtnis“ der Ambystomagruppe weiß, dass irgendwann wieder eine Eiszeit kommt (diese kommen tatsächlich immer wieder im Abstand von 10 000- 40 000 Jahren vor). Das Land würde wieder feucht, und dann braucht die Art wieder die Landgänger, um das Land neu zu besiedeln.
Man sieht also, dass die Landgänger ihren Sinn und Zweck haben. Sie sind damit kein Irrtum der Natur, sondern Vergangenheit und mögliche Zukunft der Art.

                             17.04.06_Wildt