Betreiber:
Frank Ambrock
Am Zuggraben 2
29356 Bröckel

Autoren:
Christina Allmeling
Dr. Ilse Jacobsen
Timm Reinhardt
Ralph Kopp
Frank Ambrock

Update: 25.06.2010

Counter

Willkommen auf den Internetseiten von www.axolotl-online.de

Gästebuch
Gästebuch Topseiten
Gästebuch Aqualink

Neotenie:

Siehe auch Joachim Wistuba, Axolotl, Natur und Tier Verlag, ISBN 3931587355

Der Begriff der Neotenie wurde von Kollmann ( 1885 ) im Zusammenhang mit einer von ihm untersuchten Entwicklungsverzögerung an Kaulquappen geprägt. Es wurde seinerzeit bereits zwischen einer vollständigen und einer unvollständigen Form der neotenen Entwicklung unterschieden. Ausschlaggebend für diese Einstufung ist das Erreichen der Geschlechtsreife in larvaler Gestalt. Die heute gültige Definition des Begriffes Neotenie im Bereich der Wirbeltiere sieht Tiere dann als neoten an, wenn sie noch im larvalen Stadium in der Lage sind , sich zu reproduzieren. Diese Form der Neotenie wurde noch 1933 ausschließlich den Ambystoma mexicanum (Axolotl) zugeschrieben. Verursacht wird Neotenie durch eine Unterfunktion der Schilddrüse, d.h. sie produziert nicht genügend Hormone, bzw. das normal hervorgebrachte Hormon wird nicht in die Blutbahn abgeleitet.(vgl. Wistuba 2000 ). Axolotl haben diese Sensitivität für diese Schilddrüsenhormone nicht grundsätzlich verloren, kommen aber in ihrer normalen Umgebung zeitlebens nicht zur Metamorphose.

 

 

 

Landgänger, das Woher, das Wohin und das Warum.

Ursprünglich ein genetischer Defekt der Schilddrüse, hat dieser Defekt den Axolotl das Überleben ermöglicht. Um das zu verstehen muss man die historischen Fakten und Zusammenhänge kennen.

Während der letzten Eiszeit war Nordamerika größtenteils vergletschert und das Siedlungsgebiet der Tiger und der anderen Ambystomavorfahren erstreckte sich weit über die Mittelamerikanische Landbrücke bis nach Südamerika. In Mexiko herrschte damals ein niederschlagreiches, gemäßigt kaltes Klima, dass für landgängerische Salamander sehr gut geeignet war.

                           Copyright by Ralph Kopp

Dann ging vor 10.000 Jahren die letzte, sogenannte Tioga Eiszeit zu Ende und die Mittelamerikanische Landbrücke, Mexiko und der Südwesten der USA begannen auszutrocknen. Bald herrschte außerhalb der Seen und Wasserstellen ein trockenes, wüstenartiges heißes Klima, dass Landgängern ein Überleben praktisch unmöglich machte. Hier kam dann die Stunde der normalerweise bei anderen Amphibien sehr seltenen neotenen, also rein aquatischen Tiere. Neotenie kommt bei sehr vielen Amphibien vor,selbst bei den Kaulquappen der Frösche, aber nur bei den Ambystoma hat es artbildende Funktion.

                           Copyright by Ralph Kopp


Normalerweise verlassen Amphibien bzw. Molche und Salamander recht schnell nach der Metamorphose das Wasser und dass aus gutem Grund. Während die Erwachsenen Tiere durch ihre Hautgifte und vor allem ihrer versteckten (bei Tigersalamandern eingegrabene) oft nächtlichen Lebensweise recht gut geschützt sind, sind die wasserlebenden Quappen/neotene Unmengen von Fressfeinden ausgesetzt. Fische, Wasservögel, Reptilien wie Schildkröten und Schlangen, allerlei Säugetiere, vom Waschbär bis zum Grizzly haben Axolotl und andere aquatische Amphibien "zum Fressen" gern. Dort, wo das Land feucht genug ist ziehen sich die Salamander deshalb schnell in die wesentlich sichere Landnische zurück. Das lässt sich sehr gut belegen.
Im niederschlagsreichen Osten der USA bestehen die Tigerpopulationen fast nur aus Landgängern. Je weiter man westlich und südlich geht, um so mehr tauchen neotene, Axolotlartig aussehende Tiere auf und viele Populationen im wüstenartigen Arizona und Texas bestehen dann nur aus aquatischen Tieren mit Kiemen.

                           Copyright by Ralph Kopp


Das Extrem sind dann die Axolotl. Da das Land einfach zu trocken für Landgänger war, konnten nur die Wasserformen überleben, und da ohne Landgänger auch kein genetischer Austausch mit anderen Populationen möglich war, bildeten sie im Lauf der Jahrtausende eine eigene Art aus.


Völlig "gestrichen" wurden die Landgänger aber auch nie aus der genetischen Ausstattung der Axolotl und anderer Ambystomaarten, z.B. den Andersoni. Und zwar mit gutem Grund.
Vollaquatische Salamander, wie Aalmolche, Furchenmolche und Riesensalamander, sowie Hellbender bewohnen Flusssysteme die ihnen eine ungehinderte Ausbreitung und genetischen Austausch ermöglichen. Wenn man nicht an Land gehen kann, sind Seen eine gefährliche Sackgasse, auch sie können irgendwann austrocknen oder verlanden.

Landgänger sind die Ausbreitungsform. Sie besiedeln neue Gebiete und neue Seen, Tümpel oder Teiche. Der Xochimilcosee und ähnliche Habitate sind ein Rückzugsgebiet und das genetische Gedächtnis der Ambystomagruppe weiß, dass irgendwann wieder eine Eiszeit kommt, (sie kommen tatsächlich immer wieder im Abstand von 10- 40tausend Jahren vor) dass Land wieder feucht wird, und
DANN braucht die Art wieder die Landgänger, um das Land neu zu besiedeln.
Man sieht also, dass die Landgänger ihren Sinn und Zweck haben. Sie sind damit kein Irrtum der Natur, sondern Vergangenheit und mögliche Zukunft.

De facto ,

die Natur macht selten etwas ohne Grund.

Autor: Ralph Kopp

             

             

        Zu ewiger Jugend verdammt! Axolotl bleiben gewöhnlich zeitlebens im larvalen Stadium.