Bakterien beim Axolotl

Bakterien beim Axolotl                      

Bakterien werden in drei Gruppen unterteilt. Obligat pathogen, fakultativ pathogen und apathogen. Der Unterschied von obligat pathogene und fakultativ pathogene Erreger ist, dass obligat pathogene Erreger immer eine Krankheit hervorrufen, bei  fakultativ pathogenen Erregern ist dies nur dann der Fall, wenn der Wirt immungeschwächt ist oder aber Stress ausgesetzt ist, der durch falsche Haltungsbedingungen (Z. T. zu hohe Haltungstemperaturen, zu hoher Besatzdichte, keine Versteckmöglichkeiten, usw.). Fakultativ pathogene Keime gehören daher zum Teil auch zur Normalflora des Wirts. Apathogene Keime rufen kein Krankheitsbild hervor.

 

Es gibt nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen zur physiologischen Bakterienflora beim Axolotl. Das heißt, dass bei vielen bakteriellen Erkrankungen Unklarheit besteht, welche Bakterien für bestimmte Infektionskrankheiten zuzuordnen sind. Viele isolierte Keime werden auch bei gesunden Tieren gefunden. Das heißt, auch krankmachende Bakterien oder Pilze sind auf der Haut nie vollständig abwesend. Bakterien fühlen sich in der glukosehaltigen Schleimhaut der Tiere sehr wohl und deshalb werden immer Keime nachgewiesen. Wenn das mikrobiologische Gleichgewicht der Haut nichtmehr intakt ist, finden pathogene Keime ausreichend guten Lebensbedingungen, um sich unkontrolliert zu vermehren und dadurch eine Infektionserkrankung auszulösen. Als Auslöser für ein Ungleichgewicht zum Entstehen bakterieller Infektionen können in der Haltung Ursachen bei der Aquarientemperatur, Hygiene und Ernährung eine Rolle spielen. Viele Bakterien des Hautmikrobioms zur Keimabwehr haben ein bestimmtes Temperaturspektrum. Darüber hinaus werden die Keime inaktiv und verlieren ihre Wirkung. Beim Tigersalamander (Ambystoma tigrinum) wurde nachgewiesen, dass das Mikrobiom zur Keimabwehr nur bis 20 Grad aktiv ist.

Bislang konnten Aeromonas sp., Flavobakterien, Chryseobakterien und Staphylokokken dem natürlichen Hautmikrobiom der Axolotl zugeordnet werden. In einer Studie konnten bei 100% der „gesunden“ bzw. unauffälligen Axolotl Aeromonaden (Aeromonas sp). auf der Haut nachgewiesen werden (bislang unveröffentliche Studie AMBC). Danach kamen Acinetobacter sp., Pseudomonaden und vereinzelt Citrobacter, wobei Citrobacter sp. oftmals auch für Hautdefekte/“Fraßlöcher“ als Pathogen bekannt ist bzw. im Zusammenhang mit weiteren Keimen in Betracht kam.

 

Normal in der Kloake vorkommende Keime waren Enterobakterien, aber auch Aeromonas und Pseudomonaden. Bei Infektionen des Magen-Darmtraktes und der der Kloake verschiebt sich auch hier meist die Präsenz der Keime. Pathogene Keime, wie z.b. Chryseobakterium sp., kommen dann oftmals noch hinzu.

 

Bei der der Beurteilung von bakteriellen Infektionen ist daher immer die Anzahl der vorkommenden Keime oder deren einseitige Präsenz ausschlaggebend.  Diese Keime führen nicht zu Erkrankungen, wenn die Tiere unter geeigneten Bedingungen gehalten werden. Kranke Tiere zeigten eine Kombination der aufgelisteten Bakterien allein oder assoziiert mit z.B. Klebsiella oxytoca und Providencia rettgeri. Letztere sind als pathogene Arten bekannt. Die Präsenz der Keime verschiebt sich dabei. Viele erkrankte Axolotl sind oftmals fehlerhaften oder schlechten Haltungsbedingungen ausgesetzt, wie beispielsweise eine zu hohe Temperatur oder einer mangelhaften Wasserqualität sowie andere Faktoren von Haltungsstress (siehe auch fehlerhafte Haltungsbedingungen). Um eine Behandlung gezielt einsetzen zu können und die Symbiosen nicht zu beeinträchtigen, ist es unabdingbar eine gezielte Diagnostik durchzuführen. Hinzu kommt bei Magendarminfektionen die Abgrenzung einer bakterieller Infektionen zu einem Parasitenbefall (Siehe auch Probenentnahmen, Pilzinfektionen und Parasiten).

 

Zu den bei Amphibien stark pathogenen Keimen gehören auch die Mykobakterien (Mykobacterium sp.). Für Axolotl relevant ist z.B. Mykobakterium marinum. Mykobakterien rufen verschiedene Krankheitsbilder hervor: Hierzu zählen starke Abmagerung, Ödembildung, Enteritis und vor allem Granulombildung (auf der Haut oder in den inneren Organen). Diese Erkrankung kann ganz spontan im Bestand auftreten und bedroht den gesamten Bestand. Ein Verlust aller Tiere ist möglich. Eine Behandlung bislang leider nicht erfolgreich. Nachweisen kann man diese Erreger meist durch Abklatsch und Ausstrichproben sowie histologische Untersuchungen (ZN-Färbung, Ziel-Neelsen-Färbung, www.exomed.de).


Mykobakteriengranulom (rot) in der Ziel-Neelsen-Färbung (M. Hallinger, exomed)  

Sektionssitus Axolotl mit Mykobakterieninfektion (Foto M. Hallinger, exomed)  


Infektion des Eileiters mit Mykobakterien (Histologie)

(M.Hallinger exomed)  Bakterielle bedingte, erosive Dermatitis; Knochenfraß (Fotos M. Hallinger, exomed)


Mischinfektion mit Klebsiellen und Aeromonaden, beachtenswert ist die silbrige Hauttrübung des Tieres (Foto Daniela Heese)  


Hochgradige diffuse Dermatitis, Mischinfektion aus Streptokokken (Streptococcus sp.) und Pseudomonaden (Pseudomonas sp.) (Foto Forum Axolotl-online.de)  


Axolotl mit abszedierendem Prozess vor dem linken Kiemenast (Foto M. Hallinger, exomed)  


Bakterieller Abszess nach operativer Eröffnung (Foto M. Hallinger, exomed)  

Fragen zu Laborproben beantwortet Ihnen gerne das Krankheitsteam im Krankenboard vom Forum von Axolotl-online.de: www.axolotlforum.de

Sowie

Malek Hallinger von www.exomed.de

Text

Christina Liebsch, Ambystoma mexicanum Bioregeneration Center, Medizinische Hochschule Hannover

TA Malek Hallinger, ZB Reptilienkrankheiten, exomed  GmbH – Veterinärlabor, Berlin