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Batrachochytrium dendrobatidis (BD) oder Chytridpilz

Autoren: Christina Allmeling und Dr. Frank Mutschmann (2012)

Was ist eine Chytridmykose?

Die Chytridmykose ist eine Infektion mit Batrachochytrium dendrobatidis (BD), einem Töpfchenpilz (Chytridiomycota), welcher zur Ordnung Rhizophydiales gehört. Nach einer derzeit weit verbreiteten Theorie wird vermutet, dass der Chytridpilz ursprünglich aus Afrika stammt. Er besiedelt die Haut von afrikanischen Krallenfröschen (Xenopus), die gegen diese Pilzinfektion jedoch meist immun sind. 1998 wurde der Pilz erstmals auch bei Terrarientieren in Europa nachgewiesen (Mutschmann 2000), nachdem er vorher schon in Nord-, Mittel- und Südamerika sowie Australien auftrat.
BD ist ein diploider Chytridiomyzet, der auf der Haut von Amphibien mit zwei Lebensstadien auftritt: ein Zoosporangium, in dem sich Zoosporen entwickeln, und die  Zoosporen, die als infektiöses Stadium der Verbreitung dienen (Tobler et al 2010).

Mittlerweile gibt es mehrere genetisch unterschiedliche Stämme, wobei der afrikanische Stamm pathogener als die europäischen Stämme zu sein scheint. Die afrikanischen Stämme scheinen eine größere Letalität (Sterblichkeit) zu verursachen als die europäischen Stämme (Fisher et al 2009). Es ist mittlerweile bekannt, dass ein sehr großer Teil der europäischen Amphibien mit diesem Pilz infiziert sind. Dr. Frank Mutschmann vermutet, dass BD vielen Amphibien mit intakten Abwehrkräften und guten Umweltbedingungen primär nichts anhaben kann. Erst Stress, Klimaänderungen oder auch die Kombination mit anderen Erregern führen dann zum Ausbruch der Krankheit. Der Pilzbefall muss also nicht zwangsläufig zu einer tödlichen Erkrankung führen. In Mitteleuropa gibt es bislang keine Hinweise auf Massenverluste heimischer Amphibien aufgrund dieser Infektion. In Europa kam es bisher lediglich in Zentralspanien zu einem regionalen Massensterben von Geburtshelferkröten und Feuersalamandern.
Exogene Stressoren (Klima, Populationsdruck, Transport usw.) provozieren den Ausbruch der Krankheit.

Als infektiöses Stadium fungieren die beweglichen Zoosporen, welche entweder von Tier zu Tier über Körperkontakt übertragen werden oder über das Wasser ihren Wirt aufsuchen. Die frei schwimmenden Zoosporen sind ca. 3–5 μm lang und besitzen eine 19–20 μm lange Geißel, mit der sie sich fortbewegen (Tobler et al 2010). Chytridpilze bilden keine Hyphen (fadenförmige Zellen der Pilze) aus. Es handelt sich bei dem mehr als 3000 Arten hauptsächlich um Algen- und Pflanzenparasiten, andere Arten befallen auch Weichtiere (Mollusken), wie Schnecken oder Würmer, oder Fische. Die Erreger können sowohl mit Pflanzen und Tieren, als auch über nichtbiotisches Material verbreitet werden.
BD selber ist allerdings an Feuchtigkeit gebunden und bei Trockenheit und UV-Einstrahlung kurzlebig (weniger als 24 h). Die Zoosporangien sind unter gewissen Umständen in der Umwelt bis zu einem viertel Jahr überlebensfähig. Da in den deutschen Trinkwasserversorgungen kaum auf Keime gefiltert wird, kann sich der Pilz theoretisch auch im Abwasser und Trinkwassersystem verbreiten. Es ist auch bekannt, dass es einen Temperatureffekt bei BD gibt. Der Erreger mag tiefere Temperaturen (leider wie unsere Amphibien auch) und ist bei Temperaturen von 4–28°C vermehrungsfähig. Dies kann je nach Stamm leicht variieren.
BD ist pH-sensibel und sein Optimum liegt bei einem pH von 6 - 7.

Ausbreitung und Krankheitssymptome

Der Chytridpilz befällt in erster Linie verhornte Amphibienhautteile. Treffen die Zoosporen auf Amphibienhaut, dringen sie in die Keratinschicht der Haut ein und kapseln sich dort ein, worauf die Vermehrungsphase als Zoosporangium beginnt. In den Zoosporangien bilden sich neue Zoosporen. Wenn diese reif sind, werden sie durch einen oder mehrere Ausfuhrgänge durch die Amphibienhaut hindurch an die Umwelt abgegeben. Dort können sie entweder direkt benachbarte Hautpartien oder einen neuen Wirt infizieren. Beim neotenen Axolotl kann sich der Pilz allerdings auch in die Schleimhaut setzen. Dies sind dann meist Stellen, welche einer Belastung oder Reibung ausgesetzt sind, wie die Maulspalte, Kloakenunterseite, Fußunterseite, Bauch und Schwanzunterseite. Todesfälle aufgrund einer direkten BD-Infektion sind bei Amphibienlarven und somit auch beim neotenen Axolotl kaum zu erwarten, anders als bei Tieren während oder kurz nach der Metamorphose.

Die klinischen Anzeichen einer solchen Infektion sind relativ unspezifisch und sehr verschieden. Makroskopisch manifeste Symptome treten nur bei massivem Befall auf. Diese äußern sich als Veränderungen der Hautfarbe, wie plötzlich schwarze oder braune Pigmentation von Weißlingen an der Kloakenunterseite oder Fußsohlen, Para- bzw. Hyperkeratosen äußern sich in Folge der Infektion als verdickte Hautschichten an den Flanken oder Bauchunterseite der Tiere. Verhaltensänderungen, Apathie, Bewegungsstörungen, Krämpfe sowie sekundäre bakterielle oder andere Pilzinfektionen sind oft Folge einer solchen Infektion.

Es wird vermutet, dass der Pilz den Wasser- und Elektrolyt-Haushalt der Amphibien beeinträchtigt. Ferner schwächt ein Chytridpilz-Befall die Abwehrkraft der Tiere so weit ab, dass weitere Erkrankungen schnell hinzukommen können. Dies geschieht unter anderem auch durch eine Störung der Barrierefunktion der Haut, welche dann anderen Krankheitserregern das Eindringen in den Körper erleichtert.

Die Chytridmykose bedroht also gleichermaßen Terrarien- und Wildpopulationen. Der unkontrollierten Ausbreitung des Pilzes kann nur mit Quarantäne, Hygiene und Diagnostik begegnet werden.

 

 

Diagnostik

Bei spontanen Todesfällen, die nicht alle Tiere des Bestandes treffen müssen, sollte man hellhörig werden und die toten Tiere zur Sektion zu Exomed (www.exomed.de) schicken!

Eine Chytridmykose kann in histologischen  Schnitten vom Sektionstier nachgewiesen werden. Außerdem können die Präparate immunhistologisch mittels Immunperoxidase-Verfahren oder mittels Immunfluoreszens untersucht. Hierbei ist die Identifikation des Erregers sehr spezifisch.

Einen großen Vorteil bietet die nicht-invasive Untersuchung des Tieres mittels Abstrich.

Dabei werden Abstriche am lebenden Tier entnommen. Geeignet sind hierfür trockene Tupfer, welche Hautzellen sehr gut aufnehmen. Getupfert wird hierfür beim Axolotl an der Maulkante vor den Zahnreihen, unter den Fußsohlen, unter dem Bauch, Kloake und an der  Schwimmsaumunterseite. Die Tupfer werden hiernach zur PCR-Identifizierung eingeschickt.

Untersucht wird der Abstrich in Form einer spezifischen Realtime PCR. Hierbei werden die untersuchten Proben genetisch mit allen gängigen europäischen und afrikanischen Stämmen verglichen. Dabei können falsch positive Befunde mit eng verwandten Pilzen aufgrund struktureller Übereinstimmungen ausgeschlossen werden (Mutschmann, Erkrankungen der Amphibien 2010). Um eine genaue Auswertung der Proben zu gewährleisten muss bei der Probenentnahme und beim Transport äußerste Hygiene und Vorsicht walten. Da hierbei DNA in geringsten Spuren nachgewiesen wird, dürfen die Proben nicht kontaminiert sein.

 

Behandlung

Erkrankte oder infektionsgefährdete Tiere werden mit einem Antimykotikum z.B. Itraconazol als 10 minütiges Bad oder Dauerbad mit geringerer Konzentration täglich über 8–10 Tage behandelt (Johnson et al 2003). Alternativ eignen sich Dauerbäder mit Chloramphenicol, diversen Farbstoffen oder Kurzzeitbäder mit Lamisil.

Pflanzen, Posthornschnecken sowie Garnelen können auch mit Itrafungol im Dauerbad behandelt und somit pilzfrei werden. Gerade Garnelen vertragen die Behandlung sehr gut.
Itrafungol/Itraconazol gibt es bei einem positiven Befund beim Tierarzt oder auf Rezept.Frei verkäuflich ist es nicht.

Aquarien, Filter sowie Kühler, Einrichtung und sonstiges Zubehör müssen gründlich gereinigt und desinfiziert werden (z. B. mit Benzalkoniumchlorid oder anderen fungiziden Desinfektionsmitteln). Abgelassenes Aquariumwasser darf nicht ohne Desinfektion (Hitze mit einer Kerntemperatur von mindestens 60 Grad, Benzalkoniumchlorid) in die Umwelt entlassen werden.

 

Abgabetiere und Pflanzen

Man muss sich bewusst sein, dass der Chytridpilz auch Futtertiere wie Guppys, Kadinalfische oder auch Schnecken befallen kann, ohne dass die Tiere erkranken, sondern nur als Überträger dienen. Deshalb sollten nur Tiere aus einem chytridfreien Bestand abgegeben und aufgenommen werden.

Dasselbe gilt auch für Axolotl-Abgabetiere. Die Tiere können symptomfrei sein aber dennoch als Überträger fungieren. Deswegen sollten nur getestete Tiere abgegeben bzw. der Bestand regelmäßig auf Chytrid überprüft werden.

In neue Beständen dürfen die Tiere trotz negativem Chytridbefund nicht ohne eine ausreichende Quarantäne eingeführt werden. Auffälligkeiten zeigend die Tiere meist in der Quarantänezeit, da sie durch den Umzug Stress haben und sich erst an die neuen Wasserbedingungen gewöhnen müssen.

 

Eine Alaun- bzw. Kaliumpermanganat-Desinfektion von Pflanzen reicht nicht aus. Daher wäre es wünschenswert, wenn man nur Pflanzen nur aus sicher chytridfreien Beständen in seine Aquarien einbringt.

 

Nachtrag

Axolotl sind nicht krankheitsanfälliger als andere Tiere.

Bei Hunden und Katzen sind eine ausreichende Entwurmung und Impfungen gegen verschiedene Infektionen Standard. Auch bei anderen Tieren ist eine gute Hygiene sowie Quarantäne und Bestandsüberprüfung deshalb die Pflicht eines gewissenhaften Züchters/Halters.

 

Literatur

 

Fisher MC, Bosch J, Yin Z, Stead DA, Walker J, Selway L, Brown AJP, Walker LA, Gow NAR, Stajich JE, Garner TWJ. (2009). Proteomic and phenotypic profiling of the amphibian pathogen Batrachochytrium dendrobatidis shows that genotype is linked to virulence. Mol Ecol. 18:415-429

 

Johnson M L, Berger L, Philips L, Speare R, Fungicidal effects of chemical disinfectants, UV light, desiccation and heat on the amphibian chytrid Batrachochytrium dendrobatidis, Dis Aquat Org, 2003, Vol. 57: 255–260

 

Mutschmann F, Erkrankungen der Amphibien, Enke Verlag 2010

 

Mutschmann F, Berger L, Zwart P, Gaedicke C, Chytridiomykose bei Amphibien – erstmaliger Nachweis in Europa. Berl Munch Tierarztl Wochenschr. 2000 Oct;113(10):380-3

 

Mutschmann F, Amphibian declining, Labor&more, 3 ,2008, S 30-32

 

Tobler U, Schmidt BR, Geiger C, Batrachochytrium dendrobatidis: ein Chytridpilz, der zum weltweiten Amphibiensterben beiträgt, Zurich Open Repository and Archive, 2010, S 112-117