Schlechte Haltung

Haltungsbedingungen Axolotl

Erkrankungen durch falsche Haltungsbedingungen


Zu hohe Wassertemperaturen

Für den Schutz der Haut wichtige antimikrobielle Peptide („Amps“) des angeborenen Immunsystems (innate immunity) sind nur in einem begrenzten Temperaturrahmen aktiv. Antibakterielle Peptide sind evolutionär gesehen vorzügliche Waffen gegen Bakterien und andere schädliche Mikroorganismen wie Bakterien, Pilzen, Viren und Protozoen. Bei Ambystomatiden wurde in Studien die Obergrenze für die Wirksamkeit der „AMPS“ bei Temperaturen unter 20 Grad festgestellt. Zu warmes Haltungswasser als exogener Stressor ermöglicht daher Infektionen durch Herabsetzung der Keimbarriere, so dass selbst ubiquitär vorkommende und
lediglich fakultativ pathogene Keime (z.B. Aeromonaden, Pseudomonaden) als Mischinfektionen zu großen Problemen führen können. Der sogenannte Temperaturstress führt somit zu einer erhöhten Infektanfälligkeit.


Bakterieller Abszess


 Bakterielle erosive Dermatitis (Fotos M. Hallinger,exomed)


Falsches oder vermehrtes Händling


Ein zu häufiges Handling ohne Handschuhe beschleunigt das Eintragen pathogener oder auch ubiquitärer Keime ins Haltungswasser. Gerade Keime, welche beim Menschen zum normalen Mikrobiom der Haut gehören wie Staphylococcus epidermidis und andere Koagulase-negative Staphylokokken sowie Staphylococcus aureus und Corynebakterien, können auf der Haut von Amphibien zu großen Problemen und Infektionen führen.
Auch ein vermehrtes Anfassen oder gar Streicheln der Tiere führt zu einem
Abstreichen der Mukus-Schicht und stört somit die Integrität. Hierdurch kann es auch zu einer Vermehrung von einzelligen Eukaryonten wie Wimpertierchen (Ciliophora, Ciliata, Trichodina) oder Flagellaten kommen.
Aber auch Mykosen wie z.B. eine Infektion mit Mucor amphibiorum, welche sich sehr gerne auf der Axolotlhaut ansiedelt, kann gefördert werden.


Mucor sp. Von der Haut (Litoria sp.)

Entzündung durch Mucor amphibibiorum


Candida auf Anzuchtpatte (Fotos M Hallinger, exomed)


Trichodina (Rädertierchen) Axolotl Kiemen


Trichodina Haut Andersoni) (Foto M Hallinger, exomed)


Fehlerhafte Vergesellschaftung

Viele Aquarianer sind ein sehr lebhaftes Aquarium gewöhnt, in welchem sich in allen Ebenen Tiere bewegen. Daher möchten sie oftmals gerne Axolotl mit Fischen oder anderen Tieren vergesellschaften, welche nicht nur die untere Ebene des Aquariums bewohnen. Hierbei werden oftmals nicht nur die nicht zusammen passenden Haltungsbedingungen missachtet, sondern auch das sehr unterschiedlichen Verhalten der Tiere. Eine falsche Vergesellschaftung mit nicht geeigneten Fischen kann daher fatale Folgen haben.
Welse können beim Verschlucken durch den Axolotl massive Verletzungsgefahren durch ihre Stachel (Odontoden) verursachen. Zudem werden Welse gerne zum Aquarienscheiben reinigen vergesellschaftet. Allerdings raspeln Welse auch gerne auf der Haut der Axolotl und verursachen dadurch sehr großflächige und tiefe Hautwunden bis in tiefere Muskelschichten der Axolotl, welche sich auch schnell infizieren können. Die Zähne der Welse sind kleine, flache und nach hinten gerichtete Bürstenzähne welche in mehreren Reihen im Maul der Fische sitzen.
Warum Axolotl sich dies gefallen lassen und nicht ausweichen, ist bislang noch nicht erforscht. Goldfische, Mollys und Platys brauchen meist wärmeres Wasser und gelten auch als Keimüberträger. Diese Tiere neigen dazu die sich durch die Kiemenatmung bewegenden Kiemenhärchen der Axolotl als Futterwürmer/Insektenlarven zu verwechseln. Bislang konnten nur Guppys oder Kardinalsfische als harmlos und geeignet angesehen werden Aber auch hier sollte man beachten das Fische Krankheiten oder Parasiten übertragen können.
Frösche, wie z.B. der gerne in Aquarium gehaltene Krallenfrosch (Xenopus sp.), bergen eine große Gefahr. Durch ihre Krallen an den Zehen sind sie in der Lage auch große Axolotl sehr schwer zu verletzen. Ansonsten fressen sie alles was ins Maul passt. Dazu sind Xenopus auch gerne Überträger vom Chytridpilz (siehe Chytridiomykose). Krebse können Axolotl durch ihre Schweren und Wehrhaftigkeit verletzen und somit ganze Zehen, Füße oder Kiemenbögen abknipsen. Schnecken zur Aquarienpflege sind bis auf Kaltwasser geeignete Schnecken wie Posthornschnecken oder Sumpfdeckelschnecken auch ungeeignet. Schnecken dienen den Axolotl oft als Kalziumquelle und werden im Ganzen verschluckt, soweit sie ins Maul passen. Schnecken mit spitzen, harten Gehäusen, wie die Turmdeckelschnecken, verkanten sich schnell im Axolotlmaul und müssen teilweise operativ entfernt werden.


Bodengrund und Einrichtung

Axolotl saugen ihr Futter durch einen Unterdruck ins Maul. Dies ist der sogenannte „Saugschnappreflex“. Hierbei wird Wasser und Futter eingesaugt. Dabei nehmen sie auch etwas Bodengrund mit auf. Normalerweise sortieren die Tiere Futter und Bodengrund. Futter verbleibt im Maul und wird abgeschluckt. Das Wasser wird durch die Kiemenschlitze, hinter dem Kiefer, wieder ausgespült. Allerdings wird auch teilweise Bodengrund mit abgeschluckt. Damit es beim Axolotl nicht zu einer Darmverstopfung (Obstipation) kommt, sollte der Bodengrund eine natürliche Beschaffenheit haben und die Körnungsgröße sollte unter 3 mm verbleiben.
Schwarzer Kies ist entweder gefärbt oder besteht aus Hochofenschlacke. Kies aus Hochofenschlacke enthält sehr scharfkantige Glasbestandsteile durch geschmolzenen Stein und ist oftmals eisenhaltig. Durch den Eisenbestandteil kann es zu Kiemennekrosen kommen. Glasbestandteile verletzen die oftmals im Aquarium kriechenden Tiere an den Füßen, Zehen und Bauch und führen durch die Dauerverletzung zu infizierten Wunden.
Plastikummantelter Kies wird auch aufgenommen und verschluckt. Allerdings wird die Plastikummantelung durch die Magensäure der Tiere angedaut und dadurch sehr hart, unregelmäßig und auch scharfkantig. Zu grobe Steine wie Flusskiesel können bis zu einer Größe von 3 cm verschluckt werden. Größere Tiere schaffen sogar noch größere Kiesel zu verschlucken. Allerdings bleiben diese dann im Magen oder Darm stecken und führen zu Verstopfungen (Obstipationen) oder auch Kloakenvorfällen.
Ein therapeutischer Versuch kann konservativ versucht werden. Meist müssen diese Fremdkörper dann operativ entfernt werden.
Größere Kiesel können im Aquarium schlecht gereinigt werden und in den
Zwischenräumen sammelt sich Mulm und Kot. Das kann zu einer Verschlechterung der Wasserqualität oder auch zu Infektionen durch eine Keimverdichtung führen.

Im Gegensatz zu Fischbecken sind Holzwurzeln oder andere aus Holz bestehende Einrichtungsgegenstände für Axolotl ungeeignet. Am Holz siedeln sich gerne parasitäre Einzellen an, welche später auf die Haut oder Kiemenfädchen der Tiere übergehen. Ein Abkochen oder jahrelanger Einsatz in Fischbecken hilft hier wenig. Später im Axolotlbecken nehmen die Einzeller drastisch zu und führen zu Problemen.


Axolotl mit Fremdkörper mit cranialer Aufgasung


Kloakenprolaps Axolotl


Kloakenprolaps mit Darm Axolotl (Fotos M Hallinger, exomed)


Fehlerhafte Fütterung

Das größte Problem und die häufigste nichtinfektiöse Todesursache bei Amphibien ist die Überfütterung. Axolotl benötigen eine rein karnivore Ernährung. Durch ihren Stoffwechsel verdauen sie recht langsam. Adulte Tiere haben einen noch geringeren Futterbedarf als juvenile Tiere. Die Tiere nehmen jedoch angebotenes Futter immer gern an („friss, was du kriegst“). Bei adulten Tiere kommt eine Futterliegezeit im Magen von mehreren Tagen vor. Daher füttert man bei täglicher Fütterung, ohne entsprechende Futterpausentage, neues Futter auf noch nicht verdautes Futter. Somit kann es akuten Magen/ Darmproblemen und langfristig zur Leberverfettung kommen. Hierdurch nimmt der Stoffwechsel ab, die Amphibien werden anfälliger für Sekundärinfektionen. Eine Überfütterung ist, wie gesagt, neben Infektionskrankheiten die Todesursache Nummer 1 bei Amphibien. Landlebende Insektenlarven wie Mehlwürmer, Schwarzkäferlarven (Zophobas) oder Bienenmaden sind sehr Fettreich und belasten die Leber. Warmblüterfleisch, z.B. vom Rind oder Schwein, werden von Amphibien nicht oder zumindest nur mäßig verdaut. Ihnen fehlen die Enzyme zur Aufspaltung der Proteine. Das Futter wird oftmals fast unverdaut wieder ausgeschieden.
Welstabletten als Futterersatz sind durch die pflanzlichen Bestandteile für die karnivoren Axolotl nicht geeignet.
Marine Krebstiere und Muscheln sind Jodspeicher. Beim Axolotl kann das beinhaltete Jod Schilddrüsenerkrankungen induzieren. Da Axolotl eine Schilddrüsenunterfunktion haben und sie somit neoten bleiben, kann eine Anhebung der Schilddrüsenfunktion eine Metamorphose auslösen, welche dann nicht immer vollständig vollzogen wird.
Auch eine Verfütterung von anderen Amphibienlarven wie auch Kaulquappen ist nicht nur aus Artenschutzgründen verboten sondern kann ebenfalls durch einen hohen Tyroxingehalt der Quappen eine Metamorphose auslösen. Die Metamorphose ist hier künstlich induziert. Dies stellt, wie die Verfütterung von Schilddrüsenhormen, einen Tierversuch da und ist somit strafbar.


Axolotl Leberschwellung Röntgen (Foto M Hallinger, exomed)


Wasseraufbereiter und Chemikalien

Wasseraufbereiter enthalten fast immer Chemikalien die Axolotl nicht vertragen und sogar massive Beeinträchtigungen oder Organschäden hervorrufen.

Hier ein paar Beispiele:
EDTA:
Lockerung der Zell-Zell-Kontakte, dadurch erleichtertes Eindringen von
Erregern und EDTA tötet Axolotl-Erythrocyten schon in geringen Konzentrationen ab DMSO: tötet in vitro ab 0,1% (v/v) Axolotl-Hautzellen innerhalb von 5 Tagen Zink und Kupfer: einzeln töten Cu oder Zn die Zellen innerhalb einer Woche. In Kombination sterben Zellen innerhalb von 24 Stunden


Jod:
therapeutischer Bereich beim Axolotl ab 20 μg.
Natürliche Trinkwasserwerte: Norddeutschland bis 15 μg, Bayern 0 μg.Aufbereiter bedingen eine Konzentrationserhöhung um mind. 20μg/l


Eisen:
führt in vivo zu Kiemennekrosen. Die Konzentrationen der einzelnen Substanzen variieren abhängig vom Hersteller Strauss S., Liebsch C. (unveröffentlichte Daten)

Text
Christina Liebsch, Ambystoma Mexicanum Bioregeneration Center, Medizinische
Hochschule Hannover
TA Malek Hallinger (ZB Reptilienkrankheiten, exomed GmbH – Veterinärlabor, Berlin, www.exomed.de