Biologie des Axolotl

Reich Animalia (Tiere, Tierreich)
Stamm Vertebrata (Wirbeltiere)
Reihe Tetrapoda (Vierfüßler)
Klasse Amphibia (Lurche)
Ordnung Urodela oder auch Caudata (Schwanzlurche)
Unterordnung Ambystomatoidea (Querzahnmolchartige)
Familie Ambystomatidae, (Querzahnmolch, Querzahnsalamander)
Gattung Ambystoma
Art mexicanum
Unterarten keine

Biologie des Axolotl

Vom Axolotl gibt es keine Unterarten, wenngleich die unterschiedlichsten Farbschläge (Farbmorphen) vorkommen. Mehr dazu ist auf der Seite „Genetik und Farbschläge“ zu lesen. Axolotl sind dämmerungsaktive Tiere und bevorzugen tagsüber zumeist Bereiche mit geringer Beleuchtung. Als Lauerjäger warten die Tiere überwiegend darauf, dass potenzielle Beute „vorbeikommt“. Damit zeichnet sich das Jagdverhalten des Axolotl vorrangig durch ausgedehnte Ruhephasen aus. Diese sind bei leukistischen Exemplaren (Weißlingen) und Albinos sehr gut an der Durchblutung der Kiemenäste abzuleiten. Ein „ruhender“ Axolotl zeigt einen gering durchbluteten Körper, wobei die sonst rot gefärbten Kiemenäste ein blasses Rosa bzw. einen weißlichen Farbton annehmen können.

Ist dieses Tier bei der Jagd oder Futteraufnahme, werden sich die Kiemenäste in einem knalligen Rot darstellen. Dies ist übrigens auch ein Anzeichen höchster Erregung während der Paarungszeit. Balzende Tiere zeigen neben den kräftig durchbluteten Kiemenästen auch stark geschwollene Kloakenbereiche, welche ebenfalls sehr stark durchblutet werden und zeitweise weit aufklaffend den unerfahrenen Halter beunruhigen können. Dieses wird zusammen mit der deutlich gesteigerten Aktivität der Tiere gelegentlich durch den Besitzer als Krankheitszeichen fehlinterpretiert.

Über das Verhalten wildlebender Axolotl ist leider aufgrund mangelnder Forschung sehr wenig bekannt, ganz im Gegensatz zu den genetischen und regenerativen Eigenschaften, die Gegenstand zahlreicher Forschungsprojekte sind. Zum Verhalten in Gefangenschaft gibt es mittlerweile ausführliche Beschreibungen.

Das Verhalten gegenüber Artgenossen: 

Ein großes Interesse an seinen Artgenossen wird dem Axolotl im Allgemeinen nicht nachgesagt, berichtet wird sogar von der Eigenschaft eines Einzelgängers. Beobachtungen privater Halter und des Ambystoma Mexicanum Bioregneration Centers (AMBC) haben allerdings deutlich gezeigt, dass sich Axolotl gerne mit Artgenossen in Gruppen oder paarweise aufhalten und gemeinsam ruhen.

© Ina Rückert

Ob die gewollte Nähe zu den Artgenossen dieses Verhalten begründet oder eher die Wahl des optimalen Standortes, an dem es zu diesen Ansammlungen kommt, kann nur gemutmaßt werden. Als dämmerungsaktive Tiere bevorzugen Axolotl schattige, dunklere Bereiche wie Höhlen, dicht bewachsene Pflanzzonen, Röhren oder ähnliches. Da dieser Anspruch auf die Wahl des Ruheplatzes bei fast allen Axolotln gleich ausfällt, werden sie vermutlich auch den gleichen Standort anstreben und sich somit wie ein Rudel ansammeln. Dabei schichten sie sich nicht selten in mehreren Ebenen übereinander, ohne dass es zu Streitigkeiten kommt. Ein ausgeprägtes territoriales Verhalten ist beim Axolotl nicht zu beobachten. Das Fressverhalten eines separat gehaltenen Tieres ist im Gegensatz zu Exemplaren in Gruppenhaltung nicht selten eher als motivations- und appetitlos zu umschreiben, in der Gruppe wird häufig hektisch und hochmotiviert das Futter aufgenommen. Die Haltung einer Gruppe von Axolotln scheint insgesamt ratsam. Bei allzu hektischer Futteraufnahme kann es auch schon mal vorkommen, dass durch den entstandenen Sog des Saugschnappreflexes ein Bein oder das Schwanzende unbeabsichtigt im Maul des Artgenossen landet. Was einmal im Maul ist, wird gerade bei jüngeren Exemplaren nur wiederwillig wieder hergegeben und somit kann es gelegentlich zu Verletzungen, Verstümmelungen oder kompletten Abrissen der Gliedmaßen kommen. Dieses stellt bei ausreichender Fütterung und nicht zu dichtem Besatz eher eine große Ausnahme dar, kann aber dennoch vorkommen. Mit zunehmendem Alter verliert sich diese Hektik bei der Futteraufnahme etwas, bzw. wird eine versehentlich eingesaugte Gliedmaße wesentlich eher wieder freigegeben, bevor sie verletzt wird.

Adulte Axolotl erkennen ihre Artgenossen am Geruch (Pheromone). Jungtiere oder viel kleinere Tiere werden allerdings nicht als Artgenossen erkannt und ohne Skrupel gefressen.

Übrigens!

Die Größenunterschiede der vergesellschafteten Axolotl sollten 1/4 der Länge des kleineren Tieres nicht überschreiten, da ein zu kleiner Artgenosse bei einer versehentlichen Aufnahme dem größeren Tier nicht genug Kraft und Masse entgegenzusetzen hätte und sich vermutlich nicht mehr unverletzt aus dessen Fängen befreien könnte. Es kommt sogar zu Todesfällen!

Ein ausgeprägtes Konkurrenzverhalten konnte, außer bei der Futteraufnahme, nicht beobachtet werden, nicht einmal bei der Balz.
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Die Futteraufnahme:

Beute oder Futter im Allgemeinen wird über unterschiedliche Faktoren oder Reize erkannt. Wie viele Fische und andere Amphibien verfügt der Axolotl über Druck- und Elektrorezeptoren (Seitenliniensystem und Ampullarorgane), das Seitenliniensystem ist auf einer anderen Seite dieser Homepage genauer beschrieben. Druck- und Elektrorezeptoren ermöglichen dem Axolotl das Erkennen und Auffinden von Beutetieren. Bewegungen eines Lebewesens im Wasser erzeugen zum einen Druckschwankungen, diese werden über das Seitenliniensystem wahrgenommen. Muskelaktivität erzeugt elektrische Impulse, welche über die Ampullarorgane detektiert werden. Je nach Intensität der wahrgenommenen Reize wird beim Axolotl der Saugschnappreflex zum Aufnehmen von Futter oder der Fluchtreflex ausgelöst. Darüber hinaus verfügt der Axolotl über einen ausgeprägten Geruchssinn, der das Auffinden von Futter ermöglicht. Da Axolotl weitsichtig sind spielt der Sehsinn bei der Futtersuche vermutlich eine eher untergeordnete Rolle.  Das Verhalten bezüglich der Futterauswahl und Art der Futtersuche kann sogar konditioniert werden. Wird ein Axolotl grundsätzlich von Hand oder mit der Pinzette gefüttert, wird er sich an diese Art der Futteraufnahme  gewöhnen und schon beim Herantreten an das Aquarium seinen Kopf nach oben recken, bzw. der Hand entgegen schwimmen. Dieses Verhalten sollte nicht als Zutraulichkeit oder als Fixierung auf den Menschen verstanden. Wer beim Entgegenschwimmen zur Hand erwartet, der Axolotl wolle gestreichelt werden, sieht sich schnell eines Besseren belehrt, wenn dieser mit schnellen Saugschnappreflexen den oder die Finger zu fressen versucht. Werden Axolotl grundsätzlich von Hand oder Pinzette gefüttert, kann es passieren, dass Nahrung nicht mehr vom Boden aufgenommen wird. Herabsinkendes Futter hingegen wird grundsätzlich den Saugschnappreflex auslösen, selbst wenn es sich um Gegenstände handelt, welche nicht verdaut werden können. Der Geruchssinn ist für die Futterfindung vom Boden maßgebend. Wenn Axolotl diese Art der Futterfindung nicht gewöhnt sind, kann es unter Umständen einige Wochen dauern bis sie die aktive Futtersuche wieder aufnehmen.

Der Geruch des Futters scheint eine große Rolle  zu spielen: „totes“ Futter, welches längere Zeit im Wasser lag  und entsprechend an Geruchsintensität verloren hat .wird nicht mehr aufgenommen. Ob Süßwasserfischfleisch, Regenwürmer, Süßwassermuschelfleisch oder Pelletfutter, das Futter sollte innerhalb von max. 30 Minuten gefressen worden sein.  Futterreste sollten aus dem Axolotlbecken entfernt werden, wenn keine Schnecken oder kleinere Fische für deren Verwertung im Aquarium vergesellschaftet wurden. Welche Futtersorten gefüttert werden können oder bevorzugt werden sollten, kann auf der Seite zum Futter nachgelesen werden.

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Kannibalismus

Kannibalismus wird verschiedentlich beim Axolotl erwähnt. Allerdings sind es keine kannibalischen Neigungen im eigentlichen Sinne, sondern in der Regel eine bei der Futtersuche und -aufnahme versehentliche Erscheinung. Die versehentliche Aufnahme von Gliedmaßen eines Artgenossen kann bei der Futteraufnahme durch den Saugschnappreflex gelegentlich vorkommen. Bei adulten Tieren kommt es in solchen Fällen nur selten zu Verletzungen, sie bemerken ihren “Irrtum” schneller, bzw. geben den Kampf um das vermeintliche Futter eher auf. Bei juvenilen Exemplaren hingegen sind Verletzungen schon eher die Folge eines versehentlichen Verbisses. Wenn ein verletztes Tier, mit noch offener, blutender Wunde  das Gemeinschaftsbecken mit Artgenossen teilt, wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiter attackiert, da der Blutgeruch die  Artgenossen zur Jagd animiert und diese unweigerlich, ihrem Geruchssinn folgend, zum bereits verletzten Artgenossen geführt werden. Damit wird dieses Exemplar zur Beute und vermutlich weiteren Attacken und Verletzungen ausgeliefert sein. Es ist daher sehr wichtig, dass ein verletzter Axolotl bis zum vollständigen Verschluss seiner Wunde, in Quarantäne (in Einzelhaltung) gehalten wird. Dieses dauert in den meisten Fällen ca. 2 – 4 Tage. Die Isolierung des verletzten Tiers ermöglicht zu dem eine vereinfachte Kontrolle der Wunde auf mögliche Infektionen.

Bei unzureichender Fütterung wird der vermeintliche Kannibalismus gefördert, da die Konkurrenz um gefundene Nahrung extrem gesteigert wird. Was bei Mangel an Futter einmal im Maul des Axolotl landet, wird so schnell nicht mehr hergegeben, schon gar nicht freiwillig.

Die Futtergewohnheiten eines Axolotl können konditioniert werden, d.h., dass das Repertoire des Futterspektrums abgespeichert wird und diese “gewohnten Futtersorten” vom Tier bevorzugt werden.

Sind Axolotl seit ihrer jüngsten Kindheit daran gewöhnt, um ein extrem knappes Futterangebot zu streiten, oder auch den schwächeren Artgenossen mit auf dem Speiseplan setzen zu müssen, wird sich diese Gewohnheit so schnell nicht ändern lassen. Das heißt nicht, dass ein solches Exemplar zur ewigen Einzelhaft verdammt ist, da er nicht mehr zu “resozialisieren” ist. Mehrfache Erfahrungen haben gezeigt, dass solche Tiere nach z.B. drei monatiger Einzelhaft und regelmäßiger reichlicher Fütterung mit Regenwürmern, Axolotlpellets und Fischfleisch, keinen „Appetit“ mehr auf ihre Artgenossen zu verspüren schienen, bzw. das allgemeine Verletzungsrisiko der Artgenossen, sich nach Wiedereingliederung eines ehemaligen “Kannibalen” in einem Artenbecken nicht erhöhte.

Die Paarungsbereitschaft:

Die Paarungsbereitschaft wird durch äußere (exogene), jahreszeitliche Faktoren ausgelöst. Das Steigen der Wassertemperaturen, die Zunahme der der Helligkeit und einige weitere Faktoren lösen die Paarungsstimmung aus. Ein paarungsbereites weibliches Tier sondert spezielle „Duftstoffe“ (Moleküle) ab, welche von den Artgenossen wahrgenommen werden (Chemotaxis). In dieser Zeit laufen die vergesellschafteten männlichen Axolotl oftmals mit dick geschwollener Kloake und stark durchbluteten Kiemenästen durch das Becken und bringen so eine ungewohnte Unruhe in die ansonsten gemütliche Gesellschaft. Die Balz kann sich über mehrere Stunden hinziehen und findet zumeist nachts statt. Die Tiere schubsen sich gegenseitig mit dem Kopf an, laufen einander durch das Becken hinterher und beriechen immer wieder die Kloakenregion des Partners. Irgendwann sondert das Männchen eine oder auch mehrere Spermatophoren ab. Das sind kleine, gallertartige, an Vulkankegel erinnernde Träger der Spermien, welche als kleine weißliche Spitze zu erkennen sind. Dieses Spermienpaket wird vom Weibchen aktiv in die Kloake aufgenommen. Dabei kann es vorkommen, dass nicht nur Spermien eines einzigen Axolotlmännchens aufgenommen werden, sondern eine ganze Anzahl an unterschiedlichen Männchen zeitgleich als „Samenspender“ in Frage kommen. Die eigentliche Befruchtung findet dann im Körper der Axolotldame statt. Nicht jede Balz führt jedoch automatisch zum „Erfolg“, also zur Aufnahme der Spermatophore durch das Weibchen. Oft sind am Morgen nach der Balz mehrere Spermatophoren am Bodengrund zu finden.

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Die Eiablage:

In der Regel kommt es ca. 24 – 72 Std. nach der Spermienaufnahme zur Ablage der Eier, welche in langen Ketten an Pflanzen, Schläuchen, Steinen, Scheiben und weiteren Gegenständen angeheftet werden. Diese Eiablage kann unter Umständen mehrere Tage in Anspruch nehmen und stellt für das laichende Tier einen regelrechten Kraftakt dar. Axolotl betreiben keine Brutpflege. Nicht selten ist zu beobachten, dass sich Artgenossen direkt nach der Ablage über die Gelege hermachen und die Eier restlos verspeisen. Spätestens, wenn sich die Larven anfangen im Ei zu bewegen, werden sie von den adulten Tieren wahrgenommen und als Nahrung angesehen. Daher sollte ein Gelege, wenn man die Absicht zur Aufzucht hat, gleich nach der Ablage aus dem Elternbecken entfernt werden.

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Auf diesem Bild ist zu erkennen, wie der weibliche Axolotl mit den Hinterbeinen
die Eier an die Pflanzen anheftet. 

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Ein reichhaltig mit Eiern verziertes Aquarium, im Hintergrund erkennt man ein Exemplar vom Farbschlag
Wildtyp, welches die eben gelegten Eier “absammelt” (Auffrisst).  Wer das Gelege zeitigen und Axolotl-
larven aufziehen möchte, muss die Eier aus dem Aquarium entnehmen.